Die 14. Nonfiktionale - vom 30. Juni bis 03. Juli 2022

Nonfiktionale auch in diesem Jahr als Sommerfestival

Wir hatten uns auf geteilte Momente im Kino mit unseren Gästen und Publikum zu unserem gewohnten Festivaltermin im März riesig gefreut. Doch leider macht die aktuelle Pandemielage ein Festival im Frühjahr, so wie wir es uns vorstellen und wie es gute nonfiktionale Tradition ist, auch diesmal äußerst unwahrscheinlich. Denn was ist eine Nonfiktionale ohne den intensiven Austausch mit unseren Gästen nach jedem Film sowie den vielen Begegnungen jenseits des Kinosaals?

Daher haben wir uns entschlossen, die Nonfiktionale erneut in den Sommer zu verlegen – und zwar auf den Zeitraum 30. Juni bis 3. Juli 2022. Dann, wenn (im Kino) hoffentlich wieder deutlich mehr möglich ist und Begegnungen auch jenseits von Innenräumen stattfinden können, wird Bad Aibling zum Podium für den deutschsprachigen Dokumentarfilm, so analog wie nur möglich und so inspirierend wie gewohnt. „Der gute Ton“, unser aktuelles Motto, lässt also ein bisschen länger auf sich warten als gedacht – aber er wird erklingen. Und wir bleiben zuversichtlich und vorfreudig!

Das Motto 2022: "Der gute Ton"

Der Ton macht nicht nur die Musik, sondern auch den Film. Während das Bild gleichsam an der Haustür klingelt, wie es der Filmeditor und Sound Designer Walter Murch formulierte, schleicht sich der Ton durch die Hintertür herein. Und er modelliert das flache Bild hin zu einem filmischen Raum.

Klänge und Atmosphären, Geräusche und Musik stehen als zentrale Gestaltungsmittel im Zusammenspiel mit der Bildebene. Das Sound Design kann mit den Bildern verschmelzen oder gezielt Kontrapunkte setzen. In jedem Fall wird die visuelle Dimension durch Ton erweitert und zuweilen sogar erst zum Leben erweckt - etwa bei der Verwendung von Archivmaterial, Found Footage oder Fotografien.  

Mit unserem diesjährigen Motto „Der gute Ton“ möchten wir uns all diesen Klangräumen widmen und im audiovisuellen Zusammenspiel des Dokumentarfilms den Fokus auf die Tonebene legen. Gesucht sind Filme, die hier unkonventionelle Wege gehen, die mit und von Klängen und Musik erzählen, die die Bildebene mittels der Tongestaltung in besonderer Weise aufladen.

 

Die Nonfiktionale 2021 - Vielen Dank!

Nach vier intensiven Festivaltagen ist die 13. Nonfiktionale zu Ende gegangen! Wir alle haben die Begegnungen vor Ort, die interessanten Diskussionen und Gespräche sehr genossen! Vielen Dank an alle Filmemacherinnen und Filmemacher, die zu uns nach Bad Aibling gekommen sind oder unser Programm aus der Ferne mit Online-Filmgesprächen bereichert haben! Auch hat es uns sehr gefreut, dass trotz Abstands- und Hygieneregeln und strahlendem Sonnenschein so viele Zuschauerinnen und Zuschauer unsere Vorstellungen im Kino, den Open-Air Vorstellungen und im Netz besucht haben.

Nach der langen Durststrecke war das für uns eine wunderbare Erfahrung!

Preisträgerfilme 2021

Im Rahmen der Preisverleihung 2021 vergab unsere Jury, bestehend aus Judith Funke, Vadim Jendreyko und Ulrike Tortora, folgende Preise:

Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling

Den mit 2.000,- Euro dotierten Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling erhielt Bernhard Braunstein für seinen Film ATELIER DE CONVERSATION.

Begründung der Jury:

Wort für Wort und Bild für Bild entfaltet sich ein fast utopisch anmutendes Szenario: Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kontexten treffen aufeinander und treten miteinander ins Gespräch. Das Ganze geschieht in einem geschützten Raum im Herzen des Centre Pompidou in Paris. Draußen: die Welt, drinnen: Konversationskurs. Auf zwölf roten Stühlen nehmen Menschen unterschiedlichen Alters aus diversen Ländern Platz: Geschäftsleute, Studierende, politische Geflüchtete. Institutionelle und soziale Hierarchien werden in diesem Raum außer Kraft gesetzt. Alle verbindet dasselbe Bedürfnis: sich verständlich zu machen, um mit der Außenwelt in Kontakt treten zu können. Formal stringent, aber nie  dogmatisch, mit Gespür für Rhythmus und großem Geschick in der Montage gelingt es Bernhard Braunstein in seinem Film ATELIER DE CONVERSATION, die Dynamik dieses außergewöhnlichen und kostbaren Ortes in den Kinoraum zu  übertragen.
Ein Film über die Suche nach dem richtigen Wort, die so schnell zur emotionalen und politischen Gratwanderung gerät – aber auch ein Film über die Kraft des Zuhörens und des Gehörtwerdens.

Kurzfilmpreis der Gruppe 3

Der von der Gruppe 3 gestiftete Sachpreis in Form eines ausgesuchten Tonequipments wurde an Volko Kamensky und seinen Film ORAL HISTORY verliehen.

Begründung der Jury:

Ein Paukenschlag. Irritierend langsam gleitet die Kamera an einem Zaun entlang. Dahinter: idyllische Häuser zwischen lichtdurchfluteten Bäumen, verlassen, wie in einem Dornröschenschlaf. Fortwährend suchen wir nach menschlichen Spuren, vergeblich, niemand ist zu sehen – und doch scheinen sie belebt, wirken wie Gehäuse, deren Innenleben wir nur erahnen, aber nicht entschlüsseln können.
Die sorgfältig komponierte Bild- und Klanglandschaft von ORAL HISTORY schafft eine Kulisse, vor der sich die Worte des Films entfalten können, gesprochen von schmeichelnden Frauenstimmen. Ihre Beschreibungen wiederum verändern, was wir in den Bildern lesen. Dieses Wechselspiel setzt sich fort, bis wir – die Betrachter – schließlich erkennen, dass wir selber zu den Protagonisten des Filmes geworden sind und die Szenerie mit unseren Interpretationen, Spekulationen und Projektionen bevölkern. Und mit seiner unerwarteten wie charmanten Schlusswendung führt uns der Film nicht etwa hinters Licht, sondern: hinter den Spiegel, den er uns vorgehalten hat.
„Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, sondern wie wir sind“ heißt es im Talmud. ORAL HISTORY ermöglicht uns auf elegante, kluge und subversive Weise, diese gleichermaßen irritierende und unterhaltsame Erfahrung zu machen.

Bürgerpreis

Der mit 500 Euro dotierte Bürgerpreis wurde von der Schülerjury betehend aus Markus Artl, Lena Winzenburg und Jakob Zweckstetter verliehen. Er ging an DU WARST MEIN LEBEN von Rosa Hannah Ziegler.

Begründung der Jury:

In dem Film wird der Konflikt zwischen zwei Menschen gezeigt, die ihre schwierige Vergangenheit gemeinsam aufzuarbeiten versuchen.
Mittels klarer Bilder, einer einprägsamen Farbkomposition und langer, ungeschnittener Kameraeinstellungen wird man als Zuschauender so in die Situation hineingezogen, dass man sich nahezu als Teil einer verbalen Auseinandersetzung voller tiefgründiger Ehrlichkeit fühlt. Dabei muss man manchmal auch Stille aushalten. Die Tragweite des Konflikts, der bis in die Kindheit zurückreicht, wird einem von Satz zu Satz klarer. Im Kopf des Zuschauenden wird ein Echo erzeugt, das lange nachhallt und im Inneren tief berührt.

Wir gratulieren den Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich!!

Die Preisträgerfilme und die aufgezeichneten Filmgespräche können noch bis zum 26.07. über unsere Streamingwebseite abgerufen werden.