Jubiläums-Reihe: 6 aus 9

Die Nonfiktionale feiert 2017 ihre 10. Festivalausgabe!

Bevor wir dieses Jubiläum im kommenden März begehen, werfen wir einen Blick zurück. Aus den Preisträger-Filmen der vergangenen neun Jahre haben wir eine
Auswahl von sechs Filmen zusammengestellt.

An jedem letzten Mittwoch im Monat bringen wir einen ehemaligen Preisträgerfilm noch einmal auf die Leinwand des Lindenkinos - des Kinos, in dem die Nonfiktionale im Herbst 2007 zum ersten Mal eröffnet wurde.

Zur Jubiläumsausgabe der Nonfiktionale vom 16. bis 19. März 2017 werden wir wieder Filmemacherinnen und Filmemacher nach Bad Aibling einladen, um gemeinsam Dokumentarfilme zu sehen, zu diskutieren und zu feiern!

Das Programm unserer Jubiläumsreihe finden Sie unter "programm".

Wir freuen uns auf Sie!


Rückblick Nonfiktionale 2016

Die 9. Nonfiktionale ist nach vier spannenden und intensiven Festivaltagen zu Ende gegangen.

Mit einer feierlichen Preisverleihung endete am 06. März die diesjährige Nonfiktionale. Die dreiköpfige Jury bestehend aus Margrit Schreiber, Julia Rappold und Jan Peters vergab den mit 2000 Euro dotierten Nonfiktionale Preis der Stadt Bad Aibling und den SACHTLER-Kamerapreis für die überzeugenste visuelle Umsetzung.

Neben den beiden Hauptpreisen vergab eine dreiköpfige Schülerjury wieder den mit 500 Euro dotierten Bürgerpreis.



Nonfiktionale Preis 2016: ES WAR EINMAL von Agata Wozniak

Jury mit Preisträgerin Agata Wozniak

 

JURYBEGRÜNDUNG:

Für ihre Filmerzählung hat Agata Wozniak ihren engsten Familienkreis gewählt: das aus Polen nach Deutschland eingewanderte Elternpaar, ihre vier Geschwister und sich selbst. In ihrem vielschichtigen Dokumentarfilm gelingt es der Regisseurin, in atmosphärisch dichten Szenen – fast der Dramaturgie eines Spielfilms gleich – auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig die spannungsgeladene Paarbeziehung ihrer Eltern, die Coming-of-Age-Geschichten ihrer erwachsen werdenden Geschwister und ihr eigenes Loslassen vom Zuhause zu erzählen. Ihre teilnehmende Kamera, scheinbar immer mittendrin im Geschehen, fängt nahezu beiläufig starke, extrem  stimmungsvolle Bilder vom Familienalltag ein. Wie auch die Familienmitglieder vergisst der Zuschauer die Anwesenheit der Kamera. Dadurch wird eine Direktheit geschaffen, die über 75 Minuten gehalten wird. Geschickt hat Agata Wozniak den zentralen Familienort – das Haus auf dem Hügel – ebenso zu einem Protagonisten gemacht wie sich selbst.

Durch die abwechslungsreiche Montage von beobachtenden Sequenzen  und Dialogszenen sowie durch einen bewusst eingesetzten persönlichen Kommentar als Ich-Erzählerin bringt die Regisseurin eine Dynamik in ihren Film, die auch das Publikum wechselnde Positionen einnehmen lässt.

Die besondere Leistung in Agata Wozniaks Film „Es war einmal“ liegt darin, dass sie Verbundenheit sowie Brüchigkeit von Familienbanden als  komplexen Entwicklungsprozess auf berührende Art und Weise auch für uns erfahrbar macht.  

Die Tonalität des Filmes zeugt von einem Humor und einer Reflexion der Filmemacherin, die für eine junge Regisseurin sehr besonders ist.


Sachtler-Kamerapreis 2016: ZAUNGESPRÄCHE von Lisa Gerig

Jury ohne Preisträgerin Lisa Gerig

 

JURYBEGRÜNDUNG:

Der SACHTLER-Preis für die beste Kameraarbeit geht an Lisa Gerig, die in ihrem Kurzfilm ZAUNGESPRÄCHE mit einer betont subjektiven Kamera neben sich selbst einen architektonischen Körper zum Protagonisten ihres Films macht. Das Ich dieser dokumentarischen Erzählung wird mit einem institutionellen Überich in Beziehung gesetzt, dem Ausschaffungsgefängnis am Rande des Flughafens Zürich. Die Motivation sich diesem Ort zu nähern ist zuerst die einer Aktivistin in der Gefängnisgruppe Solinetz, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Inhaftierte zu besuchen, die dort bis zu 18 Monate festgehalten werden, obwohl sie keine Straftat begangen haben. Dann erst kommt die Kamera ins Spiel, mit der im Niemandsland  Bilder von großer Kraft und Eindeutigkeit gefunden werden, die dem Zuschauer eine klare Position zum Thema Abschiebehaft deutlich machen. Eine große Stärke des Filmes besteht darin, dass zu keinem Zeitpunkt die Kamera das Innere des Gefängnisses abbildet und die Inhaftierten zu sehen sind, trotzdem wird eine große emotionale Nähe geschaffen. Indem Gefängnis und Flugzeuge ins Bild gesetzt werden, verspürt man die Entmenschlichung und Einsamkeit, mit denen die Inhaftierten zu kämpfen haben. Thema und Bilder bleiben im Kopf. 


Bürgerpreis 2016: CESARS GRILL von Darío Aguirre

Schüler-Jury mit Preisträger Darío Aguirre

 

BEGRÜNDUNG DER SCHÜLER-JURY:

CESARS GRILL erzählt von dem Versuch des Filmemachers, das vor dem Ruin stehende Restaurant seiner Eltern zu retten und gleichzeitig die Beziehung zum Vater wieder ins Lot zu bringen. Dem Film gelingt es, die Beziehung zwischen Vater und Sohn – die nicht unterschiedlicher sein könnten – zugleich selbstironisch leicht wie auch mit Tiefgang zu erzählen. Auch zeichnet er mit viel Zuneigung ein Bild der Mutter als Vermittlerin in dem Vater-Sohn-Konflikt. Besonders gelungen finden wir auch den Kommentar über die Lieder, die eine weitere Ebene aufspannen. Die 88 Minuten von CESARS GRILL vergehen wie im Fluge.


Solidarität mit geflüchteten Filmschaffenden

Am Preisverleihungsabend wurde als Sonderprogramm der Kurzfilm "Snore" des afghanischen Filmemachers Arif Mohebbi gezeigt, der auf der Nonfiktionale zu Gast war.